Kurz vor meiner Abfahrt habe ich noch einen überaus netten Brief von der BH Bregenz bekommen - eine Strafverfügung über € 35 wegen "Betreiben eines Lagerfeuers außerhalb einer bewilligten und eingerichteten Feuerstelle" an der Pipeline. Ersatzweise 17h Gefängnis.Meine Antwort an die BH ist schon in Vorbereitung, ich werde mich köstlich amüsieren. Selbstverständlich werde ich die Strafe nicht zahlen und selbstverständlich wird der Briefverkehr hier veröffentlicht. Wie schon die Beastie Boys singen: You´ve got to fight for your right to party!
Ein Solidaritätskonto für politisch verfolgte Griller ist schon in Vorbereitung, den lotta continua e hasta la victoria sempre. Ich sehe Millionen Lagerfeuer entlang der Pipeline als im wahrsten Sinne des Wortes flammendes Symbol des Kampfes für ein wahrhaft freies Bodenseeufer.
Um den Briefwechsel (noch den ersten Entwurf) mit der BH zu lesen, einfach auf (more) klicken
An die
Bezirksauptmannschaft Bregenz
c/o Lothar Weiß
Seestraße 1
6901 – Bregenz
Einspruch gegen Strafverfügung X-9-2006/40130
Sehr geehrter Herr Weiß,
hiermit erhebe ich Einspruch gegen oben erwähnte Strafverfügung vom 27.9.06.
Begründung
Um es kurz zu machen, Sie haben den Falschen. An besagtem Abend war ich nicht Betreiber einer Feuerstelle, sondern habe mich lediglich als Dolmetscher und Vermittler zur Verfügung gestellt. Betrieben wurde die Feuerstelle von zwei amerikanischen Austauschstudentinnen (Jennifer und Anny aus Michigan, USA), die ich wenige Tage vorher kennen gelernt hatte und an diesem Abend zufällig wieder getroffen habe. Wenige Minuten später kamen die beiden Wachmänner (Lingg Security?) vorbei. Da mir weder ihre Namen noch Dienstnummern noch irgendwelche besonderen Kennzeichen bekannt sind, werde ich sie in weiterer Folge Messerjockl und Blutswentje nennen.
Da die Deutschkenntnisse der beiden amerikanischen Studentinnen leider beschränkt waren und als unverbesserlicher Gentleman habe ich mich, im Sinne von Frieden und Völkerverständigung und um einen möglichst konfliktfreien Ablauf zu ermöglichen als Vermittler und Dolmetscher zur Verfügung gestellt.
Leider scheint sich der Wortschatz von Messerjockl und Blutswentje auf drei Sätze zu beschränken – (1) Das ist keine eingerichtete Feuerstelle (2) Löschen sie sofort das Feuer aus (3) Ausweis und Name – ein Manko, das durch agressives Auftreten (sicherlich der, allerdings eher kläglich gescheiterte, Versuch Autorität auszustrahlen) auszugleichen versucht wurde. Eine auch nur rudimentärste Kommunikation war daher, trotz aller ernsthaften Versuche, zu meinem Bedauern ein Ding der Unmöglichkeit und von vornherein zum Scheitern verurteilt. Daher wurden Ihnen leider fehlerhafte Informationen übermittelt. Nachdem ich mir die immer gleichen drei Sätze zum fünften Mal anhören durfte und es mehr und mehr offensichtlich wurde, dass weitere Kommunikationsversuche meinen übergeordneten Ziel von Friede, Völkerverständigung und einem angenehmen Abend in charmanter Gesellschaft diametral entgegengesetzt und kontraproduktiv waren, habe ich das Gespräch abgebrochen und als, wie schon erwähnt unbelehrbarer Gentleman das Feuer gelöscht. Die Erwähnung amerikanischer Pässe als einzig verfügbare Ausweise ließ die Gesichter von Messerjockl und Blutswentje den Ausdruck tiefer Verwirrung und den Beginn schwerwiegender Denkprozesse annehmen. Da dies leider auch bedeutete, dass die Anwesenheit der beiden noch länger zu erdulden war und dies zu diesem Zeitpunkt auf meiner Liste unangenehmer Ereignisse nur noch sehr wenig vor einer Wurzelbehandlung ohne Narkose lag habe ich meinen Namen angegeben. In der, wie sich jetzt leider herausstellt irrigen Hoffnung, die Zeit der Unerfreulichkeiten endgültig zu beenden. Hätten Messerjockl und Blutswentje ihren Wortschatz etwas erweitert und nur mit einem Wort erwähnt, dass sie die Verwaltungsübertretung anzeigen werden und daher in weiterer Folge ein formelles Strafverfahren eingeleitet wird hätte ich mit Sicherheit nicht meinen Namen angegeben – auch gentlemenship hat seine Grenzen. Und Verwaltungsstrafen gehören in die sehr persönliche Sphäre und sind davon, zumindest aus meiner Sicht, ausgenommen. Und wie schon eingangs erwähnt, es war nicht mein Feuer und die schlechte Angewohnheit, den Boten bzw. in diesem Fall den Vermittler zu bestrafen ist in unseren Breiten glücklicherweise nicht üblich.
Leider kann ich Ihnen im Augenblick nicht mit Nachnamen der beiden amerikanischen Studentinnen dienen ( danach habe ich schlicht und ergreifend nicht gefragt, da es für mich nicht die geringste Relevanz hatte). Die Email Adressen finde ich nicht mehr - und das Versprechen, zu schreiben haben wir alle drei nicht eingehalten. Michigan State University in East Lansing ist der einzige weitere Anhaltspunkt den ich noch habe.
Da ich derzeit und für längere Zeit mit dem Fahrrad in Richtung Asien auf Weltreise bin, bin ich postalisch in Bregenz leider nicht erreichbar. Diese Reise ist seit längerer Zeit geplant und keinesfalls als Flucht vor der angedrohten Strafe zu verstehen. Mein nächstes Etappenziel ist Istanbul, das ich vermutlich um den 24.10 erreichen werde. Die Reise führt in weiterer Folge auf dem Landweg nach Kambodscha, das ich vermutlich im Juli 2007 erreichen werde. Zur endgültigen Klärung bin ich gerne bereit ab diesem Zeitpunkt zu einer förmlichen Anhörung zu erscheinen – sollten die Kosten der Anreise übernommen werden.
Sollten sich in der Zwischenzeit noch weitere Fragen ergeben, bitte ich darum Ihre geschätzten Briefe einstweilen postlagernd an das Hauptpostamt Istanbul zu senden, bzw. mich per e-mail zu kontaktieren. Leider kann es oft einige Tage dauern bis ich auf Emails reagieren kann, da mich die Reise vielfach in abgelegene Gebiete führen wird in denen ein Internetcafé eine Seltenheit ist.
In der Hoffnung zur Klärung beigetragen zu haben verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen,
Clemens Purrucker
Böser böser Gaston traut er sich doch glatt ein Feuer an der Pipeline zu machen - das hätte es in der frühen 50er Jahren sicher nicht gegeben !
Lechi
Posted by lechi at October 2, 2006, 10:08 pmHallo Zimbo!
Ich bin in Amerika und jetzt haben wir ein Indirekt Kontakt dank dem Clemens rund der Welt!
Wie geht es dir?
Bitte schreib mal!!
Meine email Adresse in Baltimore ist:
veronique.meyer@goucher.edu
Liebe Grüsse, Véronique
Ich schmeiss mich weg, da kannst nur du drauf kommen
! Halt uns bitte auf dem Laufenden, und wenn dir grad mal langweilig sein sollte, ein Reisebericht (auch in mehreren Etappen) für’s eColl wär der Hit!
Grüße aus dem Ländle in die weite Welt,
Hix
Hallo Gaston, du bist irre wie eh und je… ich wünsche dir viel Glück auf deiner Reise und komm gesund und munter wieder heim… liebe Grüße aus Innsbruck Judith
Posted by judith at December 10, 2006, 2:50 amAll comments are moderated. Your comments will not appear here unless approved by the blog owner. Thank you.
Hoi Gaston
Bitte um nähere Infos zum obigen Sachverhalt; Datum, Uhrzeit, etc. (aus Sicht der BH, und auch aus deiner Sicht; gibt es Zeugen, …)
Vielleicht lässt sich die Sache ja justisch “lösen” bzw. “beheben”, will mir das jedenfalls ansehen …
Gruss und weiterhin gute Reise!
Posted by Zimbo at October 1, 2006, 7:14 pmZimbo